Kategorie: Aktuelles
Ritterschlag der Kabakovs
Mit einer Kurzbesuch beehrte das Ehepaar Ilya und Emilia Kabakov am Donnerstag das Projekt Ruhr-Atoll und ihren Beitrag dazu auf dem Essener Baldeneysee.
Eine Signierstunde der besonderen Art:
„Der Künstler schreibt die Noten aus, aber der Dirigent macht daraus Musik!“ Mit diesen Worten gab Ilya Kabakov am Donnerstag seinem „Projekt zur Erhaltung der natürlichen Ressourcen“ den „Ritterschlag“, was Authentizität und Werktreue betrifft. Kabakovs Dank ging an Norbert Bauer, der sich dem Bau der kauzigen Insel mit ihren klappernden Eimern und rostigen Windrädern bis ins letzte Detail gewidmet hatte.
Kabakov war mit seiner Ehefrau und Partnerin Emilia aus Moskaus angereist und sah das Werk zum ersten Mal nicht nur in Form von Plänen, Fotos, Videos und Bauberichten, sondern im Original auf dem Essener Baldeneysee.
Mit einer 30köpfigen Entourage aus Presseleuten und Mitarbeitern schipperte man zum Inselbesuch auf dem alten Bergmanns-Fährboot „MS Isenberg“, einem passend klapprigen, aber unverwüstlichen Vehikel. Der Rundgang auf der 300 m2 großen Kunst-Insel hatte etwas von Staatbesuchs und Familienausflug: Fotos, Erinnerungen, ein versonnenes In-die-Hand-nehmen von Einelstücken und Details. Noch ein Gruppenfoto und schließlich die Signatur mit weißer Ruhrkreide auf einem Stück Ruhrschiefer.
Damit ist es ein „echter Kabakov“, was für das Gesamtprojekt Ruhr-Atoll einen Abschluss und Prädikat auf dem in Urheberfragen klassisch schwierigen Feld der Konzeptkunst bedeutet. Nicht von ungefähr sagte Emilia Kabakov noch auf der Pressekonferenz in Ruhr-Atoll-Kunsthalle unmittelbar vor der Bootsfahrt: „Wir gehen jetzt dorthin und wir werden sehen, ob wir es mögen.“ Sie gingen hin, sie sahen und sie mochten es!
Das dass Publikum es auch mag, durfte Norbert Bauer im ersten Publikumsbericht des Atolls bestätigen. Mehr als 12.000 Bootstouristen haben sich in den ersten sechs Wochen, die teils noch grau und trüb waren, dem Atoll aktiv angenähert. Schätzungen zur Gesamtwahrnehmung der Kunstwerke vom Ufer aus gehen weit über die Million hinaus.

