Andreas Kaiser / Lars Kindermann (Physiker) |

Iceberg

Andreas Kaiser

Auf dem See schwimmt ein Eisberg. Mächtig und schroff ragt er mit seinen Abbruchkanten aus dem Wasser hervor. Auf seinem Plateau steht eingegraben in das ewige Eis ein orangefarbenes Zelt. Das Relikt eines Forschers ist nachts beleuchtet. Es dringen Naturgeräusche aus dem Berg − oder aus dem Zelt?. Das Heulen des Windes, das Grollen eines Donners, das Prasseln des Regens oder das Rauschen des Meeres. Naturgeräusche, die zugleich regenerierbare Ressourcen als auch zerstörerische Naturkräfte darstellen.

In den ICEBERG ist ein Container eingebaut, der ähnliche Ausmaße hat wie die PALAOA Messstation (Perennial Acoustic Observatory in the Antarctic Ocean) des Alfred-Wegener-Instituts (AWI). Die Energieversorgung des Containers auf der antarktischen Schelfeiskante ist eine Insellösung: Solarzellen, Windgenerator und Methanol-Brennstoffzelle. Die Forschungsarbeiten des AWI entschlüsseln dort unter einmaligen Bedingungen die globalen Veränderungen, die teils natürlich und teils durch Menschen hervorgerufen sind.

Tagsüber ist die Scholle begehbar. Jeweils vier Besucher können für einige Minuten das Innere des Eisbergs betreten. Dort erwartet sie ein Raum, der in bläuliches Licht getaucht ist. Es kühlt merklich ab. Die eigenartigen Geräusche stammen von Meeresbewohnern 200 Meter unter der Schelfeiskante aus einer Gegend, die noch nie jemand gesehen hat. PALAOA nimmt dort 24 Stunden täglich die Sounddaten aller vorbeiziehenden Lebewesen und Eisberge auf. Durch die Zusammenarbeit mit dem AWI ist es möglich, Original-Bänder zu verwenden, die jährlich aus der Antarktis geholt werden. Durch drei Fensteröffnungen werden verschiedene Räume sichtbar: Ein Einblick in das Innere des Eisbergs, ein Blick in die visuellen Datenströme von PALAOA und ein Blick in die Datenspeicherung des AWI in Bremerhaven.

Die Metapher vom einsamen Forscher im winzigen Zelt und der kurze Blick in die gigantische Sound-Daten-Flut werfen Fragen auf: Kann ich mich in mein Zelt zurückziehen und darauf warten, dass die Forschung es schon richtet? Können Messergebnisse das Handeln bestimmen oder sind es nicht letztlich medial erzeugte „Ereignisse“, die Veränderungen erreichen? Hat die Zahl der Naturkatastrophen wirklich zugenommen oder spielt uns das eine global vernetzte Medienwelt nur vor? Wahrheit durch Messbarkeit?

Andreas Kaiser

  • geboren 1967 in Fürth, lebt in Köln
  • Lehrauftrag Kunstakademie Münster

Ausstellungen (Auswahl):

  • Skulpturenmuseum Marl, Kunsthalle Recklinghausen, Landesmuseum Bonn, Ludwig Forum Aachen, Museum Abteiberg Mönchengladbach, Kunstmuseum Magdeburg, Martin- Gropius-Bau Berlin, ACE Gallery New York, IASKA Australien, khoj New Delhi Indien, bagfactory Johannesburg Südafrika

Auszeichnungen (Auswahl):

  • Förderpreis Robert Bosch AG, Förderpreis der Westfälischen Wirtschaft, Leo-Breuer-Preis des LVR, Kunstpreis der Stadt Köln, Stipendium Cité Internationale des Arts / Paris, Villa-Aurora-Stipendium Los Angeles.

Dr. Lars Kindermann

  • betreut die Messstation PALAOA (Perennial Acoustic Observatory in the Antarctic Ocean) im Ekström Ice Shelf, nahe der Neumayer-Station des Alfred-Wegener-Instituts (AWI), das die Klima-, Bio- und Geosysteme der Erde untersucht und die deutsche Polarforschung koordiniert.

www.kaiserkunst.de

www.awi.de/en/research/new_technologies/marine_observing_systems/ocean_acoustics/palaoa/

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